WIEDER FREIE FAHRT DURCH BÜLLINGEN

  • Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in Rekordzeit abgeschlossen
  • Plus an Lebens- und Wohnqualität
  • Geschäftsstandort gefestigt

 

„Sie sehen einen glücklichen und stolzen Bürgermeister vor sich“, so Friedhelm Wirtz beim Festakt zur Wiedereröffnung der neuen Ortsdurchfahrt in Büllingen. Und er stand beileibe nicht allein mit diesen Gefühlen. „Es ist geschafft!“ Was nicht allein die Anlieger und besonders die Geschäftswelt freuen dürfte, sondern im gleichen Maße die zahlreichen Verkehrsteilnehmer, die diese ebenso traditionsreiche wie wichtige Mobilitätsachse in der Nordeifel täglich nutzen.

Es gibt im politischen Leben einer Gemeinde immer mal wieder Daten, die bleiben auf ewig wie in Stein gemeißelt. Hierzu zählt für Büllingen unbestritten der 28. Mai 2011, an dem die auf einer Länge von ca. achthundert Metern komplett neu gestaltete Hauptstraße offiziell wieder für den Verkehr freigegeben wurde. Um dieses ehrgeizige Ziel in nicht einmal zwanzig Monaten zu erreichen, „haben viele Köpfe geraucht, etliche Verantwortliche gezittert, zahlreiche Mitarbeiter in die Hände gespuckt, einige auch schon mal geflucht, andere wiederum gerechnet und manche sogar… gebetet“, umriss Büllingens Bürgermeister auf lockere Art den Werdegang eines Projektes, dessen Planung nach jahrelangem Hin und Her zu Beginn der aktuellen Legislatur endlich auf die Zielgerade einbiegen konnte.

In der Tat war es in beschwerlicher Weg, ehe die ersten Bagger anrollen konnten. Doch dann ging es - dank beispielhafter Entschlossenheit und Zusammenarbeit aller beteiligten Partner - ungewohnt zügig voran, bis „das wichtigste Straußenbauprojekt unserer Gemeinde abgeschlossen war“, so Friedhelm Wirtz, der den Verlauf der komplexen Akte letztlich in vier Worten zusammenfasste: „Lange geplant, schnell gebaut!“

Nicht immer einfach seien die Verhandlungen zum Erwerb von erforderlichem Gelände verlaufen, doch auch hier siegte zu guter Letzt der Gemeinsinn über Einzelinteressen. Weshalb besagten Bürgern ebenso der Dank des Bürgermeisters gilt wie allen anderen Instanzen und Diensten, Verwaltungen und Unternehmen, die an der erfolgreichen Vorbereitung und entschlossenen Umsetzung dieser längst überfälligen Baumaßnahme beteiligt waren, darunter die Regierung in Eupen sowie alle übrigen Politiker, die sich in irgendeiner Form in das Dossier eingebracht haben, namentlich der Regionalabgeordnete Edmund Stoffels. Ferner der SPW, der Service Publique Wallon, um Direktor Philippe Elsen sowie die regionalen respektive lokalen Verantwortlichen Jean Lejeune in Verviers und Raymond Fux in St.Vith.

Genannt seien, unter vielen andern, aber besonders auch die Dienste im Rathaus selbst, „für die dieses Projekt e reichlich Stress und Mehrarbeit, aber auch Beeinträchtigungen mit sich gebracht hat“. Und neben dem Gemeinderat und -kollegium („für ihre Konsequenz“) würdigte Friedhelm Wirtz expressis verbis zwei Personen, „die das Projekt von A bis Z akribisch und minutiös, in mühevoller Kleinarbeit, betreut und begleitet haben“ - nämlich Schöffe Willy Heinzius und Bauamtsleiter Manfred Heinen. Auch wenn es eher unüblich sei, in einem solchen Kontext einzelne Protagonisten individuell zu benennen, war dies dem Bürgermeister „wichtig, da diese Arbeiten, die hier in hoher Perfektion realisiert worden sind, eindeutig auch die Handschrift besagter Personen tragen“.

Und dann wäre da last but not least die örtliche Bevölkerung, die auf vielfältige und kreative Weise an dem Projekt mitgewirkt hat, Ideen entwickelt und Ratschläge eingebracht hat. „Alle Bürger haben Solidarität mit uns praktiziert und Geduld bewiesen, Unannehmlichkeiten in Kauf und Rücksicht auf die Arbeiter genommen. Letztlich auch notwendige Vorgaben für einen reibungslosen und unfallfreien Verlauf der Arbeiten.

Nun können die Büllinger, besonders die Anlieger, buchstäblich aufatmen. Auch im Wissen, dass die „neue“ Ortsdurchfahrt ein Plus an Lebens- und Wohnqualität mit sich bringt und zugleich eine Investition in die Zukunft darstellt, „denn leistungsfähige und sichere Verkehrswege sind eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region, nicht zuletzt auch für den Tourismus“.

In diesem Kontext warnte Minister Harald Mollers vor vorschnellen Überlegungen oder gar Entscheidungen in Sachen Umgehungsstraße - nicht nur in Büllingen, sondern auch sonst wo. „Wer am Dorfkern vorbei geleitet wird, hält mit Sicherheit nicht zum Brötchenkauf, Kaffeetrinken oder Flanieren an.“ Viele Durchgangsstraßen zeigten, dass Straßenverkehr „nicht nur eine Last für anliegende Orte ist, sondern gleichfalls potenzielle Kunden für die lokale Geschäftswelt mit sich bringt“. Von daher, so der Minister (mit Herkunft Wirtzfeld selbst „ein Kind der Gemeinde“), sollte genau geprüft werden, „wo eine Umgehung auch aus finanzieller Sicht wirklich Sinn macht und welches genau die Folgen für Mensch und Natur sind“.

Philippe Elsen, zuständiger Direkter des SPW, würdigte gleichfalls die Geduld der Anlieger, zugleich aber auch die Kompetenz und das Engagement der Unternehmen, vorrangig der Firma Bodarwé SA. „Sicher war es vor allem die enge Partnerschaft, die das Projekt in der Planung wie in der Ausführung entscheidend vorangebracht hat.“ Gerade bei der Suche nach schnellen und zufriedenstellenden Lösungen bei kurzfristigen kleinen oder auch größeren Problemen sei die Gemeinde und besonders Schöffe Willy Heinzius ein allgegenwärtiger und sachkundiger Ansprechpartner gewesen, so der Direktor.

Letztlich bleibt mit Blick auf die ebenso einladende wie beruhigte Ortsdurchfahrt (die zudem in schmuckem Grün erstrahlt und optimal ausgeleuchtet ist) nur ein Anliegen. „Ich wünsche allen, die künftig diese Straße benutzen, eine gute, sichere und vor allem unfallfreie Fahrt“, schloss Bürgermeister Friedhelm Wirtz.

 

FINANZIERUNG RUHT AUF DREI SCHULTERN

  • Gemeinde, Deutschsprachige Gemeinschaft und Wallonische Region in einem Boot
  • Dotation zur Wegebaufinanzierung schafft mehr Autonomie

 

Ein Projekt, das immerhin rund 2,6 Millionen € verschlungen hat. Eine Summe, die die Gemeinde niemals alleine hätte „stemmen“ können. Eine substanziell hohe Förderung von Seiten der Wallonischen Region und Deutschsprachigen Gemeinschaft war unabdingbar. Letztlich wurden die Kosten „fair zwischen allen drei Partnern“ geteilt. Aus Namur flossen 1.330.000 € in das Vorhaben, aus Eupen wurden 515.000 € beigesteuert, während zu Lasten der Gemeinde 750.000 € blieben.

Finanzielle Zuwendungen, die nicht nur der dringenden Erneuerung der Straße dienten, sondern auch dazu beitrugen, dass „aus dem Dorfkern wieder ein modernes und zugleich einladendes Ortszentrum geworden ist“, wie Minister Harald Mollers mit Nachdruck unterstrich. „Hier werden die Menschen künftig gerne verweilen, einkaufen oder auch nur spazieren.“

Und diese Umsetzung sei „auch ein Stück weit der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu verdanken“, rief der Minister in Erinnerung, selbst wenn er zur Zeit der Entscheidungsfindung noch nicht im Amt gewesen sei. Die Partnerschaft zwischen Gemeinde und Gemeinschaft bezeichnete er, wie schon zuvor der Bürgermeister, als „vorbildlich“. Alles begann vor sechs Jahren mit der Übertragung der Zuständigkeit für die Gemeinden von Namur nach Eupen. Auch mit dem erklärten Ziel, beim Wegebau die Prozeduren zu vereinfachen und den Gemeinden eine größere Autonomie bei der Verabschiedung ihrer Prioritäten einzuräumen - nicht mehr wie zuvor über die Dreijahrespläne der Wallonischen Region, sondern über eine Dotation seitens der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Als ein Kriterium beim Verteilerschlüssel wird die Länge des kommunalen Wegenetzes herangezogen. Und da kommt für Büllingen einiges zusammen - bei 337 Kilometer Gemeindestraßen (insgesamt 1971 in allen neun Gemeinden), zuzüglich 43 Kilometern Regionalstraßen (insgesamt 244 Kilometer inklusive Autobahn in ganz Ostbelgien). Eine Gesamtdotation, die sich für das gesamte deutschsprachige Gebiet innerhalb rund eines Jahrzehnts auf drei Millionen Euro verdreifachen wird. Angesichts des bleibenden Bedarf zweifellos gut angelegtes Geld! Zudem eine Formel zur Wegebaufinanzierung, „von der wir spüren, dass sie allseits auf Zufriedenheit stößt“, so Harald Mollers. Jede Gemeinde wisse von Beginn an, wie viele Mittel sie zur Verfügung habe. „Das schafft Transparenz und verkürzt die Verwaltungswege.“

Für Büllingen sollte jedoch kurzfristig eine Sonderregelung greifen. Denn die Zusage der Wallonischen Region zur Erneuerung und Finanzierung der Ortsdurchfahrt Büllingen kam genau zu dem Moment, als die Kompetenz für den Wegebau von Namur nach Eupen wechselte. Die Gelder waren festgeschrieben, wurden jedoch mit dem gesamten „Fördertopf“ von der Region an die Gemeinschaft transferiert. Doch hat sich die damalige Regierung unter Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz spontan bereit erklärt, das für die Ortsdurchfahrt Büllingen vorgesehene und zugesagte „Paket“ auch weiterhin der Gemeinde zuzusprechen. „Das Geld war zweckorientiert und ist es auch geblieben.“ Umso mehr, wie Minister Harald Mollers unterstrich, „da eine noch länger ausgebliebene Modernisierung der Ortsmitte einer gewerblichen Aushöhlung von Büllingen gleichgekommen wäre“. Jedenfalls werde die Regierung weiter in enger Absprache mit den Gemeinden Sorge tragen, richtige und wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Dorfentwicklung und Verkehrsinfrastruktur zu stellen.

 

LANGE GEPLANT, SCHNELL GEBAUT

  • „Ehrliches Interesse“ bei Gesprächstermin in Verviers vorgefunden
  • Anregungen aus der Bevölkerung
  • In weniger als zwanzig Monaten

 

Die Klagen über den zunehmenden baulichen Verfall der Ortsdurchfahrt Büllingen reichen Jahre, ja Jahrzehnte zurück. Besonders das gestiegene Schwerlastaufkommen hat der Straße in der Vergangenheit stark zugesetzt. Und auch die regelmäßigen, teils aufwendigen Reparaturen konnten nicht verhindern, dass der Zustand der viel befahrenen Verkehrsachse letztlich nur noch mit dem Adjektiv „katastrophal“ umschrieben werden konnte. Was im Laufe der Zeit nicht nur zu einer Zumutung für Anlieger und Nutzer wurde, sondern vor allem an einigen neuralgischen Punkten die Verkehrssicherheit akut gefährdete.

Eine Entwicklung, mit der sich auch die Gemeinde nicht abfinden wollte. Weshalb bereits vor über zwei Jahrzehnten erste Sondierungen auf den Weg gebracht wurden. Seit dem Jahre 1989 wurde geplant, dann besichtigt, wieder geplant, danach verworfen, erneut geplant... Eine scheinbar unendliche Geschichte - jedoch leider lange Zeit ohne Happyend. Letztlich waren in all den Jahre sage und schreibe 158 Aktenvermerke und -daten, die das ständige Auf und Ab in dieser Akte bis zum Jahre 2006 dokumentieren. Nur ohne erkennbare Fortschritte!

Erst ein Besuch des neuen Kollegiums, sechs Wochen nach der Vereidigung, bei der Direktion des MET in Verviers sollte den Durchbruch bringen. Der Chronist schrieb den 18. Januar 2007, jener denkwürdige Tag, als der Sturm „Kyrill“ die Eifel und in besonderem Maße auch die waldreiche Gemeinde Büllingen heimsuchte. „Im Rückspiegel“ würdigt Bürgermeister Friedhelm Wirtz das Treffen als offen, angenehm und herzlich, spürbar sei besonders „das ehrliche Interesse für unser Anliegen“ gewesen.

Mit diesem Gespräch sprang die Ampel endlich und endgültig auf Grün. Es folgten Besprechungen und Besichtigungen, Überlegungen und Ortstermine, Voruntersuchungen und Finanzierungsmodelle. Mit der Folge, dass die Gemeinde noch nicht einmal zehn Monate später der Büllinger Bevölkerung das Ergebnis aller Vorplanungen vorstellen konnte - verbunden mit dem Wunsch nach vorbehaltloser Diskussion, konkreten Ergänzungen, zusätzlichen Ideen und, wenn nötig, auch konstruktiver Kritik.

Knapp ein Jahr später, am 11. September 2008, passierte das Dossier („wie wir es hier und heute vorfinden“) den Gemeinderat, ehe bis zum ersten Spatenstich dann durchaus noch einige Zeit ins Land zog. Viele planerische, technische, administrative und rechtliche Hürden mussten genommen werden - eine zeitintensive Prozedur, die weitere dreizehn Monate in Anspruch nahm. Doch ab dem 7. Oktober 2009 gab es dann kein Halten mehr - die Arbeiten starteten und wurden in gerade mal neunzehn Monaten und einundzwanzig Tagen zu einem in jeder Hinsicht sehenswerten Ende geführt.